Erste
Brauer waren vor 5 Jahrtausenden die Sumerer
Die Sumerer gingen um 3000 v. Chr. nicht nur als Entwickler
der Keilschrift und Begründer der Monumentalarchitektur
in die Geschichte der Menschheit ein: In Mesopotamien,
am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris, wurde
auch das erste Bier gebraut.
Den Beweis liefert uns das «Monument bleu»,
das im Pariser Louvre zu sehen ist. Das sumerische Werk
zeigt in Bildern die Enthülsung der Getreidekörner
zur Bierbereitung; die Verarbeitung des Getreidemalzes
zu Broten, das Aufweichen in Wasser und den Gärungsprozess.
Ersäufen im eigenen Gebräu
Die Babylonier führten Tradition und Kunst der Sumerer
fort. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der
als Begründer des «positiven Rechts» in
die Geschichte eingegangene König «Hammurabi» auch
ein Gesetz für das Brau- und Gaststättengewerbe
mit insgesamt 320 Paragraphen erliess. In diesem Gesetz
waren u.a. Vorschriften über das Brauwesen, über
den Besuch der Wirtschaften und die Gestaltung der Bierpreise
enthalten. Für Hersteller von wässrigem Bier
sah Hammurabi den Tod durch Ersäufen im eigenen Gebräu
vor!
Von den Ägyptern zu den
Griechen und Römern
Vermutlich waren es die Babylonier, die den Ägyptern
das Bier als Nationalgetränk beliebt zu machen verstanden.
Archäologische Funde wie Wandgemälde und Skulpturen
altägyptischer Gräber liefern reiche Hinweise
auf die grosse Bedeutung des Bieres im Lande der Pharaonen.
Sowohl die Griechen als auch die Römer kamen mit
dem Gebräu in Berührung. So richtig begeistern
konnten sie sich jedoch nicht dafür. Anders war dies
bei den Galliern: Die Vorfahren der Franzosen wollten sich
von Eroberer Cäsar ihr Bier um keinen Preis verbieten
lassen. Auch die Germanen schätzten den gegorenen
Saft ausserordentlich. Nachgewiesen ist, dass sie den veredelten
Gerstensaft sogar in religiösen Zeremonien einsetzten
und ihn den Göttern als Opfer darbrachten.
Jeder Haushalt eine Brauerei
In der Zeit zwischen der Völkerwanderung und dem
hohen Mittelalter stellte jeder Haushalt sein eigenes Bier
her. Die Frauen brauten es so selbstverständlich,
wie sie Brot buken. Gelang ihnen der Sud besonders gut,
so luden sie ihre Nachbarinnen zum «Bierkränzchen» ein.
In vielen alten Rezeptbüchern ist der Begriff «Warmbier» enthalten:
Dieses Getränk wurde am Morgen zubereitet und mit
Ei, Ingwer und Muskatnuss angereichert. Mit diesen Zutaten
stellte es für unsere Vorfahren nicht nur ein Frühstück
dar, sondern bewährte sich auch als kostengünstiges
Hausmittel.
Klöster erobern den Markt
Seit dem neunten Jahrhundert stellten auch die Klöster
Bier her. In Germanien, Gallien, Britannien und bei verwandten
Völkern verbesserten die Klosterbrauereien dessen
Qualität so sehr, dass ihnen die Brauwissenschaft
wichtige Erkenntnisse verdankt. Dazu gehört unter
anderem das Beifügen von Hopfen als Gewürzmittel.
Berühmt ist der Plan des Klosters St. Gallen
aus dem Jahr 820, der gleich drei Brauereien aufzeigt.
Eine Brauerei war für die Mönche; eine zweite
für die Pilger und eine dritte für Gäste
vorgesehen! In den Klöstern stellte Bier eine wichtige
Ergänzung zu den Mahlzeiten dar. In der Fastenzeit
galt die Regel, dass alles, was flüssig ist, auch
während des Fastens genossen werden darf.
Klosterbiere: gut und günstig
Die Klöster brauten zunächst für den Eigenbedarf
und zur Versorgung der vielen Besucher, die an die Pforte
klopften, um Hunger und Durst zu stillen. Erst später
begannen die Klöster mit dem gewerblichen Vertrieb
des Bieres: Die Klosterschenken begannen wie Pilze aus
dem Boden zu schiessen. Die Qualität der Klosterbiere
galt als hervorragend, und der Preis dafür war günstig.
Die bürgerlichen Brauereien und Gaststätten
vermochten diesbezüglich nicht mehr mitzuhalten und
sahen in der Klosterbiererzeugung eine existenzbedrohende
Konkurrenz. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts begannen viele
Landesfürsten damit, den Klöstern den öffentlichen
Verkauf ihres köstlichen Getränkes zu verbieten.
Mit diesem Verbot wurde der Weg zur modernen Brauerei geebnet...
Kanton Bern als Vorreiter
Im 17. Jahrhundert erteilte auf dem Gebiet der Schweiz
der Kanton Bern erstmals eine Bewilligung zur gewerbsmässigen
Herstellung von Bier. Aber eine eigentliche Brauindustrie
entwickelte sich erst mit der Nutzung der grossen technischen
Erfindung: Die Dampfeisenbahn sorgte für kürzere
Transportzeiten zwischen Getreideanbauer, Bierbrauer und
Händler.
Von grösster Bedeutung für die Brautechnik
war die im Jahre 1875 von Linde erfundene Kühlmaschine.
Sie ermöglichte es den Brauern, während des ganzen
Jahres eine gleich bleibende Bierqualität zu gewährleisten.
Bereits 17 Jahre später wurde in der Schweiz mit der
Abfüllung in Flaschen begonnen.
Bier statt Wein
Um 1885 hatte in der Schweiz das Bier den Wein als Nationalgetränk
endgültig verdrängt und unter den 530 Brauereien
begann sich mit den technischen Errungenschaften ein harter
Konkurrenzkampf auszubreiten. Die kleinen Brauereien waren
aus Kostengründen nicht imstande, davon zu profitieren
und mussten der immer rationeller arbeitenden Konkurrenz
weichen.
Quelle: Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des
Schweizerischen Bierbrauervereins, 1977 (vergriffen).
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